Wie *Acid* zur speziellen Oberflächen Farbe kam.


Die Farbgebung sollte zum Objekt passen, das heisst, die Farbe musste etwas besonderes sein. Meiner Meinung nach kam nur Matt in Frage, auf keinen Fall glänzend. Nach meinen Vorstellungen sollte die Kugel auch natürlich aussehen. Wie ich schon erwähnte, konnte ich demnach das Objekt nicht glasieren, In dieser Zeit glasierte ich meine Objekte noch sehr oft. (Ich kam erst zu einem späteren Zeitpunkt weg, vom Glasieren.)


(Wie der Name schon sagt, Glasur kommt von Glas. Glasieren heisst im Wesentlichen, die Oberfläche wird mit einem Glasüberzug versehen).


Die Glasur wird flüssig (mit Wasser versetztes Glasurpulver) auf den roh gebrannten (auch Schrühbrand genannt), also noch porösen Scherben aufgetragen und anschliessend einem zweiten Brand unterzogen. Das wird Glattbrand oder auch Glasurbrand genannt. Die Temperaturhöhe wird so gewählt, dass die aufgetragene Glasur schmilzt und so einen Glasüberzug auf dem Objekt ergibt. Das ist üblicherweise etwa ab 900 Grad möglich. Zum Beispiel bei Geschirr, sind die Brenntemperaturen meist höher. Vorteilhaft sind Steinzeug Temperaturen. Demnach über 1200 Grad. Nur bei so hohen Temperaturen gebranntes Geschirr, ist im allgemeinen Spülmaschinen tauglich.


Ich wollte, dass die einzelnen Kugeln beweglich blieben.

Da das Gesamtbild des Objektes, durch das Verdrehen der einzelnen Kugeln, immer mal wieder verändert werden konnte. Im Extremfall war es möglich die Kugeln so zu drehen und anzuordnen, dass man das Gefühl hatte, es wären total nur noch 2 Kugeln.Das Objekt konnte so immer wieder verändert werden, es war also nicht statisch. Die Restlichen Kugeln wurden verdeckt. Ich durfte also keine Glasur zur Farbgebung verwenden. Die einzelnen Kugeln würden durch die Glasur zusammen kleben und der Effekt wäre dahin. Sie könnten nicht mehr verdreht, nicht mehr bewegt werden.


Die Lösung für mich war, ein im Fachjargon sogenannter Rauchbrand. Das sind eigentlich recht einfache Brände. Brände die meist bei niederen Temperaturen unter 1000 Grad gemacht werden. Dazu braucht man keinen aufwändigen Ofen. Solche Brände wären sogar in einem normalen Feuer zu bewerkstelligen, es braucht nicht unbedingt einen teuren Ofen dazu. Die Kapsel schützt auch das Brenngut vor der direkten Flamme und verhindert so Abplatzer am Objekt.


  • Über die verschieden Brenn-Methoden werde ich mich ausführlich in einem später erscheinenden Blog Beitrag äussern.

Der Kapsel-Brand

Ich hatte mich entschlossen, zur Farbgebung mein Objekt in einer Kapsel zu brennen. Bei solch niederen Temperaturen (850 Grad) verwendete ich eine grosse Blechdosen aus der Gastronomie.


  • Kapsel Brände können auch in Papierkapseln gemacht werden, doch auch dazu in einem später folgenden Blog Beitrag.


Die Blechdose hatte einen Durchmesser von etwa 25 cm und eine Höhe von 35 cm.

Als erstes mischte ich Hobelspäne mit etwas Kochsalz, und Kupferoxid in einem Gefäss. Damit das Salz und das Kupferoxid an den Hobelspänen etwas klebte und vor allem möglichst gleichmässig verteilt wurde, sprühte ich mit einem Zerstäuber etwas Wasser auf die Späne. Diese 3 Komponenten vermischte ich gründlich. Diese Mischung schichtete ich etwa 2 cm dick auf den Boden der Dose und drückte die Späne fest.





Danach folgte eine ebenfalls etwa 2 cm dicke Schicht aus Bläh-Ton-Kügelchen (Material für Hydrokultur) Auf diese Bläh-Ton-Kügelchen setzte ich mein Objekt *Acid*. Die Kugel durfte mit den Spänen, Salz und Oxid-Gemisch nicht in Berührung kommen. Denn es könnte dadurch auf dem Objekt unschöne, krustenartige Ablagerungen geben.

Der restliche Hohlraum wurde mit Bläh-Ton-Kügelchen bis zum oberen Rand der Dose aufgefüllt. Das Objekt war vollständig mit den Bläh-Ton-Kügelchen zugedeckt. Die Dose blieb geöffnet, also ohne Deckel. (Mit Deckel, also einem geschlossenen Behälter, würde das Endresultat wieder anders ausfallen)

Den Brand machte ich in einem kleinen Gasofen, den ich üblicherweise zum Raku-Brennen verwendete.

  • Raku ist eine Brennmethode die ihren Ursprung in Japan hat und vermutlich durch den Amerikaner Paul Soldner modifiziert wurde. Dazu wäre noch zu sagen, dass das bei uns angewendete Raku wenig mit dem japanischen, ursprünglichen Raku zu tun hat. Im Gegensatz zu unserem Raku-Brennen wird in Japan das Raku bei hohen Temperaturen und ohne Abräuchern (Reduzieren) gemacht. Das glühende Gefäss wird lediglich in Wasser getaucht, also nicht in brennbares Material, wie Sägespäne, Stroh, Blätter usw. Es entstehen so keine schwarzen Kohlenstoff-Ablagerungen. Diese sind bei uns ein begehrter Nebeneffekt und so gewollt. Das ist so viel man weiss, so erzählt und geschrieben wird, die Erfindung von Paul Soldner.


Der giftigen Gase wegen, die beim Brennen entstehen, brannte ich natürlich im Freien. Die Brennhöhe lag nur bei etwa 850 Grad. Bei höheren Temperaturen, über 1000 Grad würden die Bläh-Ton-Kügelchen zusammenbacken. Das gilt es unbedingt zu vermeiden.

Diverse Kugeln ebenfalls Kapselbrand
  • Die Haltezeit bei dieser Temperatur dauerte etwa 30 min. In diesen 30 Minuten hatten die verdampfenden Gase (Salz und Kupferdämpfe) genügend Zeit sich in der Dose zu verteilen und sich auf dem Objekt nieder zu schlagen und zu verbinden. Durch die Bläh-Ton-Kügelchen wurden die Gase umgelenkt und diese einmaligen, unterschiedlichen Flecken und Tupfen entstanden auf dem Objekt.

Nach dem Ausschalten des Gasbrenners konnte ich den Ofen öffnen und die Dose mit einer Zange aus dem Ofen nehmen. Die noch glühende Kapsel (Blechdose) stellte ich neben den Ofen zum

Auskühlen. Nach einigen Stunden war es dann so weit. Gespannt auf das Resultat, buddelte ich das Objekt aus der Dose.


Fazit

Der grosse Aufwand hatte sich gelohnt. *Acid* war geboren. Alles Perfekt, keine Fehler, keine Risse, keine Deformationen. Jede einzelne Kugel liess sich bewegen. Ich war glücklich. Ich konnte das Objekt *Acid* gut verpackt nach Zagreb zur Triennale schicken.


Nächster Blogbeitrag

Ich erzähle euch vom Vorprojekt, (Kugel mit 100 cm Durchmesser und einem Gewicht von 450 kg) dann vom Aufbau und Brand der grossen gespaltenen Kugel mit einem Gewicht von 1500 kg, einem Durchmesser von 170 cm und einer

Höhe von 140 cm.

Der Aufbau der gespaltenen Kugel und des Ofens dauerte 7 Wochen und war öffentlich. Der Brand wurde von etwa 1000 Zuschauer mitverfolgt.

Der Moment als ich die beiden Ofenhälften bei 1280 Grad öffnete, bleibt einmalig und ist unvergesslich. Ein Spektakel eben.

  • Ich denke es bleibt für euch spannend und lehrreich. Ich würde mich auf einen Kommentar in diesem Blog freuen!


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