Warum ist für mich Keramik so wichtig geworden.

Aktualisiert: 11. Nov. 2021

Mein Werdegang: Die ersten Jahre Zu der Keramik gekommen bin ich etwa 1978. Also bin ich ein Urgestein. Ein Urgestein, das sich seit bald 45 Jahren mit Keramik beschäftigt, sich das meiste selber beigebracht hat und dessen Weg von sehr viel Lehrgeld begleitet wurde. Diese Erfahrungen und das Wissen daraus möchte ich nun an andere weitergeben.


Aber wie fing alles an


Zuerst Daumenschälchen, diverse Gefässe in Wulsttechnik usw......das war mein Anfang. Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass man auf der Töpferscheibe Gefäße viel exakter und erst noch schneller herstellen konnte, als dies im Handaufbau möglich war, Also eine Töpferscheibe musste her! In einem Lexikon (damals gab es noch kein YouTube und Co und die Informationsmöglichkeiten waren relativ aufwändig und mühsam), sah ich wie so eine Kickscheibe aussah. Mein gelernter Beruf Maschinenmechaniker war natürlich hilfreich. Bald einmal konnte ich im damaligen Atelier meine ersten Drehversuche machen. Noch nie hatte ich die Gelegenheit einem Töpfer über die Schultern zu schauen. Ich hatte also keine Ahnung vom Drehen. Von irgend woher habe ich mitbekommen, dass zuerst ein Tonklumpen zentriert werden muss. Ich erinnere mich noch allzu gut, wie oft ich den Tonklumpen von der Scheibe kratzte und wütend gegen die Wand warf. Aufgeben kam für mich jedoch nie in Frage, also weiter probieren und üben, nochmals und nochmals und abermals. Nach einiger Zeit, es mussten Monate gewesen sein, schaffte ich es, passables Geschirr zu drehen und in einem kleinen Toplader (das ist ein von oben zu befüllender Elektro-Ofen), der damals in der Küche stand, zu brennen.

Schale 40 cm Durchmesser 1280 Grad gebrannt

Steinzeug (die Brenntemperatur sollte über 1200 Grad sein) musste es sein, das war für mich wichtig. Die Ware sollte stabil sein und nicht bei jeder Unvorsichtigkeit Abplatzer abbekommen. Damals gab es nur sehr wenige Fertig-Glasuren zu kaufen. Im Brennbereich von Steinzeug waren das vielleicht ein bis zwei Dutzend. Ich kaufte einige Fachbücher und begann eigene Glasuren zu entwickeln. Das Experimentieren machte mir enorm Spass, auch wenn dabei so Vieles schief ging und ich oft die heruntergelaufenen Glasuren mit der Flex-Schleifscheibe abschleifen musste. Damals schon gab es einige gute Keramikzeitschriften, die ich natürlich mit grossem Wissensdurst nur so verschlang. Ich war extrem experimentierfreudig. Vom Keramiker Edouard Chapallaz erfuhr ich durch eine dieser Zeitschriften. Er war so viel ich weiss, der erste Studiotöpfer in der Schweiz, der bei Steinzeugtemperaturen und reduzierend brannte. Er schuf im Elektro-Ofen wunderschöne Ochsenblutglasuren und Seladone (das sind Glasuren aus Japan und China). Ich bewunderte ihn. Auch hörte ich, dass er um eine reduzierende Ofenatmosphäre zu erhalten, Gas in den Ofen leitete. Also, auch selber ausprobieren, war meine Devise. Ich wollte ebenfalls mit Reduktionsglasuren experimentieren.

Vase 15 cm hoch mit Kupferreduktion 1280 Grad

Zuerst musste ich, was nicht anders zu erwarten war, abermals jede Menge Lehrgeld bezahlen. Ich hatte keine Ahnung, wieviel Gas für eine reduzierende Atmosphäre nötig war. Jedenfalls war es zuviel des Guten! Das Resultat war ein mehr als faustgrosses Loch, da wo die Kantal-Heizdrähte (Kantal ist ein hochhitzebeständiges Metall) durch die Ofenwand in das Ofeninnere geführt wurden. Der beim Reduzieren entstandene Russ verursachte einen Kurzschluss. Die Hitze war so extrem hoch, dass die Leichtfeuersteine (hochhitzebeständiges Isolationsmaterial in der Form von kubischen Steinen, die für 1280 Grad vorgesehen waren) schmolzen. Also, blieb mir nichts anderes übrig, als den Ofen zu reparieren! Also versuchte ich es nochmals; allerdings mit sehr viel weniger Gas. Und siehe da, der Brand war von Erfolg gekrönt. Das Ergebnis liess sich sehen. Meine ersten Ochsenblut- und Seladonglasur-Gefässe waren geboren.


Schale 40 cm Durcmesser 1280 Grad gebrannt

Dieser Umstand ermunterte mich nach einiger Zeit, mir einen Gasofen anzuschaffen. Ich entschloss mich ein englisches Fabrikat zu kaufen. Einen 150-Liter-"Laser" Ofen. Mittlerweile war ich umgezogen und hatte ein neues Atelier, wo ich diesen Ofen, nachdem ich alle feuerpolizeilichen Vorschriften abgeklärt, den Raum und den Kamin angepasst hatte, aufstellen durfte. Der Ofen war mit ohrenbetäubenden Brennern ausgestattet, was ich natürlich vor dem Kauf nicht wusste (ich nahm mir vor, beim nächsten Ofen darauf zu achten).

Im nächsten Blog Beitrag werde ich etwas näher über das reduzierende Brennen eingehen.

Bis zum nächsten Mal wünsche ich dir eine kreative Zeit und viel Spass bei deinen Projekten!

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