Ein neuer Abschnitt in meinem keramischen Schaffen


In eine Fachzeitschrift hörte ich das erste Mal von Imre Schrammel. Seine Objekte sprangen mich richtig an. Imre’s Arbeiten brachten mich zum Staunen. Wie brachte er solche Kunstwerke zustande. In diese Kunstrichtung wollte ich gehen. Das war mir klar geworden. Ich versuchte seine Arbeiten zu kopieren. Was dabei allerdings entstand war alles andere als gut.

Ein Werk von Imre (Geschenk)

Das Glück war mir hold. Ein einwöchiger Workshop mit Imre Schrammel wurde im Tessin am Lago Maggiore angeboten „Techniken in der Kleinkeramik“ oder ähnlich. Etwa so lautetet der Titel des Workshop. Also sofort buchen. Schon bald, ich glauben es muss im Sommer 1986 gewesen sein, lernte ich Imre kennen und durfte sehr Viel von ihm lernen-Neues prasselte auf mich ein. Sehr spannende Tage, keiner wie der vorhergehende! Imre zeigte immer Neues. Zwei Tage arbeiteten wir auf einer Sandbank am Ufer der Maggia.


Imre’s Technik mit Hilfe von Sand zu formen, war etwas Einzigartiges. Eine ungemein faszinierende Technik. Damit liessen sich Objekte und Formen herstellen, die mit den üblichen Möglichkeiten nicht zu realisieren waren. Es entstanden absolut Keramik-gerechte Formen, die nur mit Ton herstellbar waren; Nicht mit Holz, mit Eisen, mit Blech, Papier oder Kunststoff; also nur Ton kam in Frage.


Transformation (Objekt aus Röhren)

Das Formen ist mit dem Geschehen in der Natur vergleichbar, nämlich durch Druck und

Gegendruck. So entstanden während Jahrmillionen unsere Alpen. Die durch einen immensen Druck aufgeworfen und gefaltet wurden. Diesen Umstand hatte Imre Schrammel ausgenutzt. Die Ton-Körper

Flamme (Sandverformung)

wurden mit viel Druck und Gegendruck verformt. Er hatte zum Beispiel menschliche Körper, auch Tiere als Hohlkörper aufgebaut, danach mehrere Figuren nebeneinander in ein Sandbett gelegt und schliesslich mit Sand zugedeckt. Imre hatte Bretter darauf gelegt und hat mit seinem Körpergewicht die zugedeckten und nicht mehr sichtbaren Figuren deformiert. Eigenartig deformierte Objekte entstanden. Das geschah allerdings nicht Jahrmillionen, sondern in einigen Sekunden.





Entwurf Sandabformung mit Gips, an der Maggia. Ausführung in Ton 90 x 90 cm

Die Idee zu diesem noch unbekanntem Verfahren hatte Imre am Fusse des Vesuvs, in Pompeji für sich entdeckt. Er sah dort Ausgrabungen von durch Asche und Lava deformierten menschlichen Körpern und Tieren. Wie konnte so etwas kopiert werden, war seine Frage und Ansporn. Mit Sand!


*Flamme* (Sandverformung)

Seine Sandtechnik war geboren.

Am Anfang kopierte ich seine Figuren, fand das aber sehr unbefriedigend. Kopieren kam für mich sehr bald nicht mehr in Frage. Ich musste eigene Möglichkeiten, einen eigenen Weg finden.

Ich suchte und probierte immer und immer wieder.

In dieser Zeit in der ich Erfahrungen sammelte beschloss, ich keine Gebrauchskeramik mehr herzustellen. Das hielt mich in meinen Augen vom Wesentlichen ab. Ich wollte meine Zeit nur in die Kunst investieren. Ich suchte nach Möglichkeiten die dieser Formtechnik gerecht wurden

Ich wollte mich nicht verzetteln un nur noch Unbrauchbares wie Kunst machen.

*Durchbruch* Sandverformung

Ich verschrieb mich definitiv der Kunst. Mein ursprünglich gelernter Beruf kam mir sehr gelegen. Ich versuchte das Technische, das heisst geometrische Formen, mit organischen Formen zu kombinieren. Ich konnte neuartige noch nie dagewesene Formen hervorbringen.

Ein Beispiel das damals entstand. Ich formte aus Ton etwa einen Meter lange Rohre mit einem Durchmesser von etwa 4 cm. Diese verband ich untereinander zu einem flächigen Ausgangsobjekt. Anschliessend deformierte ich das Stück zu einem neuen faszinierenden Kunstwerk.


*Yad* (Sandverformung)

An der Biennale in Faenza Italien wurden 3 meiner Objekte durch eine Jury ausgesucht und im Palazzo ausgestellt. Das war ein für mich sehr grosser Erfolg und bestätigte mich in meinem Tun. An der Biennale in Vallauris konnte ich diesen Erfolg wiederholen.


Glücklicherweise musste ich mich nur einmal in einer Galerie bewerben um ausstellen können. Danach wurde ich immer eingeladen. In den über 45 Jahren an die 140 Mal. Das erleichterte so Manches um einiges.

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